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03.04.2017 16:50 Alter: 198 days
Kategorie: Chrischona Schweiz, Menschen
Von: Markus Dörr

Dienstbeginn für den Feuerwehrmann

Gespräch mit Beat Ungricht, dem neuen Regionalleiter Mitte von Chrischona Schweiz


Beat Ungricht, neuer Regionalleiter Mitte von Chrischona Schweiz

Beat Ungricht möchte sich als Regionalleiter für die Mitarbeiter und Gemeindeleitungsteams engagieren. Denn: «Ein wachsendes Movement sind bewegte Menschen.»

Einsetzung von Beat Ungricht als Regionalleiter Mitte von Chrischona Schweiz am 11. März 2017

Dr. Peter Gloor (rechts), Leiter Chrischona Schweiz, bittet um Gottes Segen für Beat Ungricht, den neuen Regionalleiter Mitte.

Mit Feuer kennt Beat Ungricht sich aus. Schon während seines Studiums am Theologischen Seminar St. Chrischona war er Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Als neuer Regionalleiter Mitte von Chrischona Schweiz wird der 53-Jährige manchen Brand löschen müssen. Ein Feuer aber will er anfachen: Die Leidenschaft der Gemeinden, den Menschen in ihren Orten zu dienen.

Chrischona: Lieber Beat, vor 30 Jahren wurdest du vom Studium am Theologischen Seminar St. Chrischona für zwei Jahre beurlaubt, weil du geheiratet hattest. Trotzdem bist du seit 1. April 2017 neuer Regionalleiter von Chrischona Schweiz. Warum?
Beat Ungricht: Weil das kein Widerspruch ist und Chrischona sich verändert hat. Meine Frau Beatrice und ich haben fröhlich geheiratet und überhaupt keine Ressentiments gegen Chrischona entwickelt. Ich konnte die zwei Jahre gut nutzen, um Erfahrungen in der Gemeindearbeit zu sammeln.

Chrischona: Du bringst heute sehr viele weitere Erfahrungen mit. Die FEG Winterthur hat sich unter deiner Leitung als Pastor von einer wenig bekannten Freikirche zum öffentlichen Begegnungszentrum gate27 entwickelt. Warum seid ihr diesen Weg gegangen?
Beat Ungricht: Ich habe schon immer auf dem Herzen gehabt, dass wir als Gemeinde nach aussen sichtbar werden. Für Jesus ist Gemeinde ein öffentlicher Ort. Gemeinde lebt im Volk, ist Teil des Volks – buchstäblich Volkskirche. Deshalb haben wir nach Möglichkeiten gesucht, wie wir mit Menschen ausserhalb der Gemeinde in Berührung kommen können. Wir boten Gästegottesdienste an, führten Alphalive-Kurse durch. Das gate27 ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, den Bonhoeffer so beschreibt: Kirche ist nur Kirche, wenn sie da ist für andere.

Chrischona: Die FEG Winterthur hat auch den Verein «Stägetritt» gegründet, der sich für Arbeitsintegration von Langzeitarbeitslosen einsetzt. Willst du als Regionalleiter das sozial-diakonische Engagement der Chrischona-Gemeinden fördern?
Beat Ungricht: Ich wünsche mir, dass wir alles geben wollen für die Menschen vor Ort. Wir haken sie nicht einfach ab, wenn wir ihnen eine Bibel geschenkt haben. Sondern wir sind bereit, es uns etwas kosten zu lassen und ihnen wirklich dort zu dienen, wo sie Not haben. Dabei will ich die Gemeinden unterstützen, doch das kann ganz unterschiedlich aussehen. Die Nöte vor Ort unterscheiden sich und auch die Begabungen und Ressourcen der Gemeinden. So stellt sich die Frage: Welche Möglichkeiten hat die Chrischona-Gemeinde vor Ort und wie trifft sie damit auf eine Not, die im Ort da ist?

Chrischona: Um Nöte der Gemeinden wirst du dich als Regionalleiter kümmern müssen. Du wirst gerufen werden, wenn es in der Gemeinde brennt, etwa bei Streit. Wie gut bist du darauf vorbereitet, Feuerwehrmann zu sein?
Beat Ungricht: Echte Erfahrungen als Feuerwehrmann habe ich während meines Theologiestudiums in der freiwilligen Feuerwehr auf St. Chrischona gemacht. Auf den Dienst als Regionalleiter fühle ich mich gut vorbereitet. In über 25 Jahren als Pastor gab es sehr oft Kriseninterventionen und Menschen, die ich in ihren Heilungs- und Veränderungsprozessen über längere Zeit begleitet habe. Ausserdem habe ich eine 2,5-jährige Ausbildung als Berater, Seelsorger und Coach absolviert. In diesem Dienst erlebe ich meistens Menschen, die in irgendeinem Bereich ihres Lebens anstehen.

Chrischona: Vor welcher neuen Aufgabe hast du den grössten Respekt?
Beat Ungricht: Vor meiner gemischten Rolle: Auf der einen Seite bin ich Vorgesetzter und habe Leitungsaufgaben. Auf der anderen Seite bin ich Coach und Supervisor. Ich denke, dass dieser Mix nur in guten Beziehungen möglich ist. Deshalb wünsche ich in mir in der Einstiegsphase möglichst intensive Begegnungen, in denen wir uns kennenlernen können.

Chrischona: Unter dem Motto Opens external link in new window«Yes, she can!» hat sich Chrischona Schweiz zum Dienst der Frau in der Gemeinde bekannt – sowohl in der Leitung als auch im pastoralen Dienst. Wie stehst du dazu?
Beat Ungricht: Es gibt einleuchtende Argumente dafür und dagegen. Wir haben uns als FEG Winterthur gründlich damit auseinandergesetzt und uns für eine Seite entschieden, bevor wir die erste Pastorin angestellt haben. Wir erleben die Mitarbeit der Frauen als unerlässlich, unersetzbar und dringend für die Ausbreitung des Reiches Gottes – und zwar auf allen Ebenen, in allen Bereichen, mit all ihren Begabungen.

Chrischona: Wie willst du die Diskussion darüber weiterführen?
Beat Ungricht: Ich will zuhören und offen sein für die Entscheidungen der Gemeinden. Aber ich will nicht, dass wir die Frauenfrage immer wieder neu diskutieren. Wichtiger ist die Frage: Wie können wir heute so Gemeinde bauen, dass Menschen wirklich mit der Botschaft von Jesus erreicht werden? Ich möchte wieder mehr Leute taufen, das Reich Gottes ist ein wachsendes Movement! Ich wünsche mir, dass Chrischona Schweiz kräftig dazu beiträgt.

Chrischona: Wo siehst du deinen Beitrag für das wachsende Movement?
Beat Ungricht: Ein wachsendes Movement ist keine Sache, sondern bewegte Menschen. Deshalb will ich mich für die Mitarbeiter und Gemeindeleitungsteams engagieren. Zuerst einmal möchte ich einfach da sein, zuhören, landen und wertschätzen, was während vielen Jahren in den Gemeinden aufgebaut worden ist. Anschliessend sehe ich meinen Beitrag in der Ermutigung und der Herausforderung der Menschen und Gemeinden. Wir brauchen beides nebeneinander und miteinander.

Chrischona: Besten Dank für das Gespräch, lieber Beat. Gottes Segen für deinen Dienst als Regionalleiter.

Beat Ungricht ist als Regionalleiter zuständig für die Begleitung und Beratung der Mitarbeiter und der 30 Opens internal link in current windowChrischona-Gemeinden in der Region Mitte. Diese befinden sich in den Kantonen Aargau und Zürich.