« Vorheriger Artikel: Wo alle Nationen Gott feiern! 
11.03.2017 16:14 Alter: 73 days
Kategorie: Chrischona Schweiz
Von: Markus Dörr

«Wir brauchen eine Vielfalt von Gemeinden!»

Gespräch mit Dr. Peter Gloor


Dr. Peter Gloor, Leiter Chrischona Schweiz

Für die Chrischona-Gemeinden in der Schweiz sieht Dr. Peter Gloor, Leiter Chrischona Schweiz, nur diese Zukunftsstrategie: ein wachsendes Movement werden.

Leitung Chrischona Schweiz 2017

Gemeinsam für das wachsende Movement ist die Leitung Chrischona Schweiz unterwegs.

Wimbo, Peter Gloors Hund

Mit Hund Wimbo geht Peter Gloor gerne in die Natur.

Die Pensionierung muss warten, denn Dr. Peter Gloor will noch einiges bewegen. Mit 64 Jahren wurde er als Leiter Chrischona Schweiz wiedergewählt. Er ist überzeugt, dass es für die Chrischona-Gemeinden in der Schweiz nur diese Zukunftsstrategie gibt: ein wachsendes Movement werden.

Chrischona: Lieber Peter, du wirst bis zum Sommer 2019 Leiter Chrischona Schweiz sein, dann bist du 67. Andere sind in diesem Alter pensioniert, warum du nicht?
Peter Gloor: Meinen Dienst sehe ich als Berufung. Ich glaube, dass ich am richtigen Platz bin und dort meine Gaben gut einsetzen kann. Solange Gott mir Gesundheit und Freude schenkt, mache ich das – mit Vollgas voraus!

Chrischona: Wie hältst du dich fit?
Peter Gloor: Ich gehe mit meinem Hund gerne in die Natur. Praktische Arbeit ist Erholung pur für mich. Deshalb trifft man mich an freien Tagen oft im Garten oder beim Holzspalten.

Chrischona: «Chrischona Schweiz – ein wachsendes Movement!», so steht es auf eurem Logo. Wo beobachtest du, dass dieses wachsende Movement Realität ist?
Peter Gloor: Die Chrischona-Gemeinden in der Schweiz wünschen sich, dass noch mehr Menschen Jesus kennenlernen. Sie machen sich schon seit längerer Zeit Gedanken über Wachstum. Vielleicht wurde die eine oder andere Gemeinde durch unser Motto wachgeküsst. Zum Beispiel benennen sich manche Gemeinden ganz bewusst um, heissen «Chrischona Fünflibertal» statt «Chrischona Ziefen». Beispielhaft ist auch die Idee der «Eglise ouvert», also dass die Chrischona-Gemeinden nicht nur für die Schweizer, sondern für alle Menschen in unserem Land da sein wollen.

Chrischona: «Wachstum – Neustart – Neubelebung» hast du als Strategie für das wachsende Movement ausgegeben, allerdings wird Chrischona Schweiz bald 150 Jahre alt. Wie veränderungsbereit sind die Gemeinden?
Peter Gloor: Die Gemeinden wollen wachsen und sind bereit, dafür etwas zu verändern. Natürlich ist diese Bereitschaft von Ort zu Ort unterschiedlich stark ausgeprägt – je nach Kontext und Situation. Ich bin überzeugt, dass wir eine Vielfalt von Gemeinden brauchen, darunter kleine und grosse Gemeinden. Jede Gemeinde sollte sich immer wieder fragen: Erfüllen wir den Auftrag, den wir von Jesus bekommen haben? Erfüllen wir ihn am richtigen Ort und in der richtigen Art – zeitgemäss und bibeltreu?

Chrischona: Manche Chrischona-Gemeinden stagnieren oder schrumpfen. Wie passt das zum wachsenden Movement?
Peter Gloor: Wir müssen uns die jeweilige Situation genau anschauen. Es gibt Orte, an denen wir Gemeinden schliessen mussten. Das ist ein sehr schmerzhafter Prozess, ermöglicht aber vielleicht auch Neustarts. Die Hoffnung sollten wir nicht leichtfertig aufgeben. Ich kenne viele Beispiele von Gemeinden, die nach Jahren ohne Wachstum wieder einen neuen Aufschwung erlebt haben. Ausserdem weiss ich aus der Landwirtschaft: Eine Pflanze in einem ungünstigen Klima wird nie so gross wie eine Pflanze in einem günstigen Klima. Es kann also sein, dass eine Gemeinde nicht sehr viel grösser werden kann, aber trotzdem einen Auftrag für ihren Ort erfüllt.

Chrischona: Kurt Kammermann hat an der Opens external link in new windowStrategie- und Schulungskonferenz 2016 von Chrischona International die Parole ausgegeben: «Fröhlich anfangen, dankbar aufhören». Kannst du das unterschreiben?
Peter Gloor: Ja, ich wünsche mir mehr Mut zum Risiko in der Gemeindearbeit. Wir sind oft zu problemorientiert und feiern nur die Erfolge. Dabei übersehen wir die Chancen und die Lernerfahrungen, die in Niederlagen stecken.

Chrischona: Ein konkretes Ziel deiner ersten Amtszeit war die Gründung von vier neuen Gemeinden bis 2017. Ziel erreicht?
Peter Gloor: Ja, bei Chrischona Schweiz sind vier Initiativen zur Gemeindegründung entstanden. Zum Beispiel die Opens external link in new window«Fire Crew» in Renens. Das ist eine Fresh X-Initiative mit kreativen Angeboten wie Songwriting-Workshops, Frauengruppen oder evangelistischen Kinoabenden.

Chrischona: Ist das denn eine richtige Gemeinde?
Peter Gloor: Hier spielt das Bild eine wesentliche Rolle, das wir von «Gemeinde» haben. Für mich ist das Gemeinde. Denn die Gemeinschaft in unseren Initiativen gibt ein Zeugnis von Jesus Christus in dieser Welt ab, so kommen Menschen zum Glauben. Klar: Die «Fire Crew» trifft sich nicht jeden Sonntag zum Gottesdienst und hat auch kein Gemeindehaus, aber aus kleinen Anfängen kann Grosses entstehen. Und das passt gut zu Chrischona Schweiz. Schliesslich hat unsere Gemeindearbeit vor 150 Jahren auch damit begonnen, dass Pilgermissionare von St. Chrischona Bibelstunden durchgeführt haben. Diese unspektakuläre Art, Gemeinde zu bauen, funktioniert noch heute.

Chrischona: Das Buch «Yes, she can» hat 2016 für Wirbel gesorgt. Als Leitung Chrischona Schweiz habt ihr den Dienst von Frauen in der Gemeinde zum Thema gemacht. Warum?
Peter Gloor: Wir haben theologisch lange um diese Frage gerungen und schliesslich auf der Grundlage der Bibel ein «Ja» dazu gefunden. Wir wissen: Man kann das auch anders sehen, jede Gemeinde ist frei in ihrer Entscheidung. Trotzdem ziehen wir Konsequenzen. Wir fördern berufene Frauen und berufene Männer, in Gemeinden gemeinsam zu leiten und zu lehren. Und wir wollen kein weiteres Jahr erleben, in dem wir gut ausgebildeten Absolventinnen keine passende Stelle anbieten können.

Chrischona: Wird die Mitarbeiterschaft von Chrischona Schweiz jetzt weiblicher werden?
Peter Gloor: Ja, das wird sich jedoch nicht blitzartig ändern. Aber wir stellen Frauen jetzt bewusst als «Pastorin» an oder stellen bei Paaren den Mann und die Frau als Mitarbeiter an. Damit haben wir positive Erfahrungen gemacht.

Chrischona: In aktuellen Stellenanzeigen von Chrischona Schweiz werden die guten Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter betont. Wie sehen die aus?
Peter Gloor: Wir sind überzeugt vom lebenslangen Lernen. Darum nimmt jeder, der bei Chrischona Schweiz neu angestellt wird, in den ersten zwei Jahren an Weiterbildungen teil. Ausserdem wird jeder Mitarbeiter durch den Regionalleiter begleitet. Darüber hinaus hat jeder Mitarbeiter Anrecht auf zwei Wochen Weiterbildung pro Jahr, für die ein Budget von bis zu 2000 Schweizer Franken zur Verfügung steht.

Chrischona: Manche Gemeindeglieder sagen: «Wenn der Pastor nicht vor Ort ist, haben wir nichts von ihm.»
Peter Gloor: Das ist zu kurz gedacht. Damit die Pastoren fit werden für eine lange Dienstzeit, sind Weiterbildungen nötig. Dadurch fördern wir gezielt die Gaben, die Gott in jedem Einzelnen angelegt hat und wir motivieren die Pastoren immer wieder neu für ihren Dienst. Weiterbildungen sind daher ein Teil unserer Wachstumsstrategie.

Chrischona: 25 Prozent deiner Arbeitszeit verbringst du mit dem Engagement für Chrischona International. Was nützt das den Gemeinden von Chrischona Schweiz?
Peter Gloor: Im Chrischona-Verband gehören wir zusammen und profitieren voneinander. Drei Beispiele: Bei der theologischen Ausbildung arbeiten wir eng mit dem Opens external link in new windowTheologischen Seminar St. Chrischona (tsc) zusammen. Das tsc bildet unsere nächsten Pastoren und Gemeindemitarbeiter aus. Chrischona Schweiz und Chrischona International haben eine gemeinsame Pensionskasse. Vom Austausch mit den Länderleitungen Deutschland und Frankreich gehen Impulse füreinander aus, zum Beispiel zur Mitarbeiterführung. Ich merke, dass der Blick über den eigenen Tellerrand guttut und inspirierend sein kann.

Chrischona: Was muss dein Nachfolger als Leiter Chrischona Schweiz mitbringen?
Peter Gloor: Das Wichtigste ist der Blick fürs Ganze und die Offenheit für anderes Denken. Der Leiter Chrischona Schweiz sollte über die eigene Freikirche hinausdenken und Wert auf gute Verbindungen mit anderen Kirchen, Verbänden und Werken legen. Er muss sich auch in unterschiedliche Kulturen und Sprachregionen hineindenken können. Ausserdem muss der Leiter Chrischona Schweiz vieles gleichzeitig sein: Theologe, Unternehmer, Manager, Vordenker, Netzwerker.

Chrischona: Wer regelmässig deine Andachten im Newsletter «Online» liest, stellt deine Vorliebe für Ausrufezeichen und Anglizismen fest. Hinter welches Ziel willst du ein Ausrufezeichen setzen?
Peter Gloor: Let’s rock Switzerland! Lasst uns die Schweiz bewegen! Wenn wir als Chrischona Schweiz ein wachsendes Movement sein wollen, müssen wir etwas bewegen. Mein Traum ist, dass Chrischona in der Schweiz die Menschen und die Gesellschaft für das Evangelium bewegt.

Chrischona: Vielen Dank für das Gespräch.